Wenn Metallica plötzlich Rammstein spielt: So war das Konzert in Berlin


Kaum eine Band macht so viel Geld mit Konzerten wie Metallica. Beim Auftritt im Berliner Olympiastadion hat die US-Band verdeutlicht, woran der Erfolg liegt und mit einer Rammstein-Coverversion für einige Lacher gesorgt.

Kann Heavy Metal Selbstironie? Nach dem Konzert in Köln – mit Viva-Colonia-Cover – fragten sich einige Fans, ob sich Metallica auch am Samstagabend für Berlin etwas besonderes würde einfallen lassen. Die kurze Antwort ist: Ja! Die lange Antwort lest Ihr in unserer schnellen Kritik mit fünf Antworten zum Metallica-Konzert.

Wie waren Metallica drauf?
James Hetfield und Co. sind geschäftstüchtige Vollprofis, die nach einigen Querelen in den Nuller-Jahren nun mit der mannschaftlichen Geschlossenheit einer Motorrad-Gang auftreten. Und ähnlich breitbeinig. Hetfield spricht in den Ansagen zum Teil von Metallica in der dritten Person und beschwört die "Metallica-Familie". Damit holt er sogar die durch „Nothing Else Matters“ und andere Mainstream-Hits angelockten Heavy-Metal-Laien ab, die sich für mehr als zwei Stunden als Teil einer wilden Truppe fühlen dürfen.


Wie waren Sound und Bühne?
Das Olympiastadion ist eine akustische Grabstätte. Es verschluckt klangliche Nuancen, aber ganz so breiig wie bei Guns N' Roses oder Bruce Springsteen gerät der Sound trotz einiger Schwierigkeiten nicht. Die in Weiß gehaltene Bühne ist groß, aber eher schlicht als bombastisch. Links und rechts von der Leinwand, die sich mächtig in die Breite zieht, prangen der erste und letzte Buchstabe des Bandnamens im Stil des Blitzen nachempfundenen Logos. Beeindruckend ist, wie Metallica an diesem verregneten Abend ihre Anti-Kriegs-Hyme „One“ inszenieren – mit Lasershow, Stichflammen und Knalleffekten, die an Tretminen erinnern.

Wie war die Stimmung im Publikum?
Eigentlich galt Iron Maiden immer als die Band mit den bierseligsten Fans. Doch die Gerstensaft-Gier der teils mit 1-Liter-Bechern ausgestatten Meute am Samstagabend ist absolut konkurrenzfähig und trägt bei zur Party-Stimmung im und ums Stadion herum.

Was waren die besonderen Momente der Show?
Eine der Fragen vor dem Konzert war: Werden die nur nach außen ach so harten Kerle wohl einen ähnlich selbstironischen Gag abliefern wie in Köln, als sie versuchten, den Karnevalsgassenhauer „Viva Colonia“ zu covern und herrlich albern daran scheiterten? Jawohl sie haben da was parat. Robert Trujilo singt begleitet von Kirk Hammett in gebrochenem Deutsch eine Coverversion des Rammstein-Hits "Engel". Die trauen sich was und beweisen, dass Selbstironie im Dicke-Hose-Genre Heavy Metal durchaus möglich ist.

Fazit?
Metallica sind längst nicht mehr die kompromisslos krachenden Krawallbrüder, die sie in den 1980ern waren. Sie sind aber trotz eingestreuter Mainstream-Rock-Songs wie „The Memory Remains“ und der Ballade „Nothin Else Matters“ auch nicht das Gegenteil davon. Aktuelle Songs, etwa „Hardwired“, sind radiountaugliche Haudrauf-Nummern voller Aggression und Härte. Dazu packen Metallica auch Thrashmetal-Evergreens wie „Ride the Lighting“ in die bunte Tüte namens Stadion-Show, die allen schmecken soll. Und ja – geschmeckt hat’s.


Von Maurice Wojach

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